X

Der Lichtarbeiter

Astrologisches Schlaglicht art Karlsruhe Astrologisches Schlaglicht art KarlsruheAstrologisches Schlaglicht art Karlsruhe

For UND7, a platform for art initiatives running parallel to art KarlsruheOpen Space Lab comissioned a vedic astrologer to do a day by day forecast for art Karlsruhe.

So we produced a small run of papers, to be distributed on UND and art. Supplemented with scientific NASA-prediction-charts for solar activity and a historic chart linking the activity of the sun with stock market prices.

The copies can be found during the fair on various spots at the art and at the UND-Forum in the Großmarkthalle.

Open Space Lab about their approach:

„Hungrig nach dem Wissen, was die Zukunft verspreche, versuchen Studien, Statistiken, Ratings und Rankings die Welt in Zahlen zu erfassen. Empirisch angelegte Erklärungsmodelle versprechen verborgene Strukturen und unbekannte Organismen systematisch zu vermessen und zu kartieren. Dem Wert der Zahlen wird absolute Glaubwürdigkeit zugesprochen, um die Zusammenhänge dieser Welt in einem rationalen Maß begreiflich zu machen. Aber mit statistischen Zahlen wird nicht nur alles bereits Vorhandene bilanziert, sondern auch die Zukunft anhand komplexer Modelle und Algorithmen prognostiziert. Die Vermessung der Zukunft fällt jedoch oft zweifelhaft aus. Der institutionalisierte Einfluss von Analysen und Prognosen durch Agenturen und Forschungseinrichtungen gehört zu den einflussgebenden Faktoren für Entscheidungen jeglichen Ausmaßes und Bedeutung in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.

Der Kunstmarkt, dessen verborgen gehaltene Mechanismen nach außen für ständige Überraschungen und schwindelerregende Rekorde sorgen, wird zunehmend von statistischen Expertisen analysiert und vorhergesagt, um im gleichen Moment gnadenlos daran zu scheitern. Unternehmen wie Artfacts, Artnet oder Artprice analysieren anhand ihrer massiven Datenmengen einen Markt, der von kurzweiligen Trends, medialer Präsenz, Insiderwissen, absolut begrenzten Angebot und emotional geladener Nachfrage geleitet wird. Ihre Expertisen vermessen Ruhm sowie Werdegang der Künstler, Auktionsergebnisse und Vertrauen in den Kunstmarkt nach Formeln, die versuchen einen intransparenten Markt kalkulierbar zu machen. Damit wird weniger eine Bilanz über die Zukunft verkauft, als lediglich die gefühlte Sicherheit, die Wertentwicklung von Werken und Künstlerbiografien abschätzbar zu machen. Alle Angaben natürlich ohne Gewähr, vor allem, wenn eine Biografie durch eine statistische Formel als vorhersagbar deklariert wird.

Die astrologische Methode scheint aus dieser Perspektive nur schwer unterscheidbar. Nur in dem Unterschied, dass die Natur- und Formalwissenschaften als unumstritten gelten und die Astrologie in ihrer Treffsicherheit mit der Zufallswahrscheinlichkeit gleichgesetzt wird. Beide prognostische Ansätze verfolgen das gleiche Ziel – Zukunft sicherer zu machen – wenden jedoch Methoden an, die ungleicher nicht sein können. Die einzige Gemeinsamkeit besteht darin, dass beide sich auf mathematische Berechnungen stützen, deren Ergebnisse und Werte jedoch einer Interpretation bedürfen, die sich intuitiven und subjektiven Urteilen nur schwer entziehen kann.

Das Experiment der Kuratoren des OPEN SPACE LAB eine Kunstmesse von einem Astrologen untersuchen zu lassen, ist aus mehreren Motiven entstanden. Es ist das Ergebnis einer Recherche, die sich als Prozess versteht, in dem ein kuratorisches Format nicht vorbestimmt ist, sondern eine beliebige Form annehmen kann. Im Fokus dieser Fragestellungen stehen die Verhältnisse von Wirtschaft und Kunst, Mythen und Mechanismen des Kunstmarktes und der Moment der wachsenden Unsicherheit, die durch Analysen und Prognosen ausgeglichen werden will.

Auf der Satellitenmesse UND7 eine astrologische Prognose über die art Karlsruhe im Format einer ephemeren Zeitungsformats zu präsentieren, ist nicht nur als experimentelle kuratorische Praxis zu verstehen, sondern besteht auch als ein offenes Angebot diese Verhältnisse zu überprüfen. Und nicht zuletzt als ironischer Kommentar, der einen kritischen Blick auf Kunstmarkt und Messegeschehen wirft.“